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ML mona lisa  |  23.06.2012 

Diagnose: Unheilbar krank

Wie lange bleibt noch zum Leben?

Jeder hat davor Angst, vor der Diagnose: "unheilbar krank". Und doch gehört es zum Alltag von Ärzten, ihren Patienten zu sagen, dass sie todkrank sind und nicht mehr lange leben werden. Auch Heidi hat vor etwa fünf Jahren die vernichtende Diagnose erhalten. Die Berliner Charité ist inzwischen zu ihrer zweiten „Heimat“ geworden, immer wieder wird sie behandelt und immer wieder schlägt die Krankheit zurück. 

Diagnose: Unheilbar krank

Jeder hat Angst vor der Diagnose: "unheilbar krank". Und doch gehört es zum Alltag von Ärzten, ihren Patienten zu sagen, dass sie todkrank sind und nicht mehr lange leben werden. Auch Heidi hat vor etwa fünf Jahren die vernichtende Diagnose erhalten.

(23.06.2012)

Rosemarie Mittermair im ML-Interview

Rosemarie Mittermair ist Gründerin der Selbsthilfegruppe Eierstock- und Gebärmutterhalskrebs. Im ML-Interview spricht sie über die schwierige Situation todkranker Patienten.

(23.06.2012)

Nur nicht immer an die Krankheit denken, das will Heidi. Deshalb arbeitet sie an Tagen, an denen es ihr gut geht, wie früher und verkauft Dekorationsartikel an Berliner Szeneläden. Sie will im Hier und Jetzt sein, denn ihre Zeit ist kostbar geworden. „Ich weiß, dass ich bald diese Welt verlassen muss“, erklärt Heidi: „Aber wann das sein wird, weiß ich nicht.“

Am Abgrund stehen
Seit mehr als fünf Jahren weiß Heidi, dass sie Krebs hat. Als sie damals die Diagnose erfuhr, war die behandelnde Ärztin offenbar mit der Situation überfordert. „Die Ärztin hat erst gar nichts gesagt. Als ich dann sagte, ich muss es wissen, da ich selbständig bin, da guckte sie mich an und sagte: Selbständigkeit, das können Sie vergessen. Sie haben Krebs“, erinnert sich Heidi: „Das war ein totaler Schock. Es ging ja auch darum, wie die Diagnose vermittelt wurde.“

Obwohl mehrfach operiert, werden bei der 62-Jährigen immer wieder Metastasen gefunden. Wie lange sie noch leben wird, kann ihr niemand sagen. Inzwischen kümmert sich Professor Sehouli um Heidi. Er hat ihr erklärt, dass sie den Kampf gegen den Krebs verlieren wird. So ist Heidi auf alles vorbereitet. Sie hat bereits einen Hospizplatz und auch alle ihre Bekannten wissen, wie es um sie steht. „Ich habe mit meinen Freunden auch über den Tod gesprochen. Es gab viele Tränen. Eigentlich wollten sie es gar nicht, aber hinterher waren alle erleichtert, weil keiner alleine war“, sagt Heidi.

Zeit ist kostbar

Rose in der Vase im Krankenzimmer. / Quelle: ZDF
Im Krankenhaus. (Quelle: ZDF)

Daniela ist 46 Jahre alt und Lehrerin. Sie erkrankte vor drei Jahren an Krebs. Tapfer macht sie bereits ihre vierte Chemotherapie. Stärke zeigen musste Daniela von Anfang an, seit Professor Sehouli ihr die traurige Diagnose mitteilte. “Als ich das erste Gespräch mit Professor Sehouli hatte und erfahren habe, dass ich unheilbar krank bin, das fand ich sehr schwierig“, erzählt Daniela. „Ich hatte das erste Vierteljahr auch das Gefühl, dass er mir ein zusätzliches Problem aufgebürdet hat. Ich habe aber viel darüber nachgedacht und halte so eine grundsätzliche Ehrlichkeit doch für sehr wichtig.“

Seitdem gilt auch für Daniela: im Augenblick leben. Aber wie lange noch? Daniela ist Mutter eines vierjährigen Jungen. Ihr Sohn sei noch sehr klein und das belaste sie, meint Daniela: „Ich weiß nicht, wie lange ich noch für ihn da sein kann.“ Auch ihr Mann Uwe und der kleine Jonathan müssen die Ungewissheit aushalten. Beide nutzen jeden Moment, um bei Daniela zu sein.

Die schlimme Nachricht überbringen

Professor Jalid Sehouli / Quelle: ZDF
Professor Jalid Sehouli (Quelle: ZDF)

Täglich muss Professor Sehouli Frauen schlechte Nachrichten überbringen. Ein Schock mit direkten Auswirkungen. Professor Sehouli weiß, dass in dem Moment "natürlich ein emotionaler, seelischer Vulkan ausbricht. Und dass nach maximal zweieinhalb Minuten die Frau weniger hört, weniger riecht, weniger sieht." Deshalb sei es wichtig, sagt Professor Sehouli, die Diagnose und das weitere Verfahren in Etappen zu besprechen.

 

An der Charité lehrt man Ärzte seit einiger Zeit, wie sie schlechte Nachrichten überbringen sollen. In speziellen Kursen wird mit ihnen eine besondere Gesprächsführung trainiert. Die Ärzte lernen, Pausen einzuhalten und die Patienten nicht mit Fachbegriffen zu überfordern. Ebenfalls wichtig: Niemals mitweinen, denn die Kranken brauchen ein starkes Gegenüber. Das geübte Gespräch wird anschließend mit Oberärztin Christine Klapp analysiert. "Was wir als Ärzte immer so fürchten, ist die Frage, wie lange habe ich noch, die natürlich kommt", sagt die Medizinerin: "Wenn man eine Idee hat, es ist nicht lange, dann ist es auch richtig, das zu sagen. Es ist auch ein Stück Fairness, dass Patienten ihre Dinge regeln können." Auf die Frage, wie lange noch, können Ärzte jedoch nur einen Zeitraum eröffnen, der auf Erfahrungswerten beruht. Und dabei müssen sie sehr vorsichtig sein, denn es gibt Spontanheilungen. Wenn auch nur selten ein unheilbar kranker Mensch, entgegen aller Prognosen, wieder gesund wird.

23.06.2012, Quelle: ZDF

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